Aber wie sieht es aus mit Vorstellungen bzw. Informationen der jungen Assistenten über:
Das persönliche Berufsziel jenseits der Facharztprüfung
Den eigenen Zukunftsaussichten
Möglichen Karrierewegen im Ausland
Oder der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus?
Das Mentoring-Programm für urologische Nachwuchskräfte "Urologie-Fahrplan" versucht diese Lücke zu schließen. Konkret beinhaltet es eine persönliche Karriereplanung im Team.
Warum Mentoring?
Mentoring eröffnet Wege:
- Um die Kommunikation zwischen Hierarchien und Generationen zu verbessern
- Um den Willen und die Bereitschaft des Nachwuchses zur Übernahme von Führungspositionen zu unterstützen
- Um das Know-how und die Erfahrungen der Führungskräfte an Interessierte weiterzugeben
Was ist Mentoring?
Die Ursprünge des „Mentoring“ liegen in der griechischen Mythologie. Mentor wurde von Odysseus gebeten, sich während seiner Abwesenheit seines Sohnes Telemachos anzunehmen und diesen zu erziehen. Der Begriff Mentor wurde damit zum Synonym für einen allgemein geachteten und gebildeten Menschen, der für einen jüngeren und weniger erfahrenen Menschen als verantwortungsbewusster Erzieher und Berater fungiert.
Mit dem Begriff Mentoring werden heute vielfältige Förderprogramme in Wirtschaft, Politik, Bildung, Wissenschaft, Kunst und Kultur bezeichnet. So groß die Bandbreite der Bereiche ist, in denen Mentoring betrieben wird, so verschieden sind auch die Formen, Inhalte und Ziele von Mentoring. So kann Mentoring auf effektive und kostengünstige Personalentwicklung in Wirtschaftsunternehmen ebenso abzielen wie auf Elitebildung in Politik und Wissenschaft und gezielte Nachwuchsförderung im Gesundheitswesen.
Eine Person, die in ihrem Berufsfeld erfahren und etabliert ist, fungiert als Mentor und unterstützt für eine begrenzte Zeit eine meist jüngere und weniger erfahrene Person, den Mentee, konkrete Ziele zu erreichen.
Die Förderung der Entwicklung und Karriere erfolgt hierbei außerhalb der normalen Vorgesetzten-Untergebenen Beziehung unter dem Gebot der Verschwiegenheit. Die Basis der Zusammenarbeit ist das gegenseitige Vertrauen.
Beim Mentoring handelt es sich um eine geschützte Beziehung, in der Lernen und Experimentieren stattfinden kann und potentielle Fähigkeiten und neue Kompetenzen entwickelt werden können. Mentoring bedeutet auch eine Person zu Bestleistungen zu bringen, indem sie sich die Erfahrungen des Mentors und ihre eigenen Erfahrungen nutzbar macht.
Ziele von Mentoring
1. Entwicklung der Persönlichkeit
Mentoring macht Qualifikationen für andere sichtbar und gibt Gelegenheit, sich weiter zu profilieren. Im Dialog mit dem Mentor können die Fähigkeit Probleme zu analysieren verbessert und die eigene Urteilsfähigkeit geschärft werden.
2. Orientierung
Mentoring hilft den Horizont zu erweitern, weil ein Mentee durch seinen Mentor weitere Perspektiven und Erfahrungen kennen lernt
3. Karriereplanung
Der Mentee gewinnt Klarheit über seine beruflichen und persönlichen Ziele und kann mit Unterstützung des Mentors individuell die nächsten Karriereschritte planen.
4. Qualifikation
Mentoring ist keine Fachfortbildung! Dennoch kann auch in fachlicher Hinsicht Neues hinzugelernt werden durch den Einblick in die Berufspraxis oder durch Themen wie Führungstechniken, die Vorbereitung von Besprechungen oder die Durchführung einer Präsentation
5. Eintritt in Netzwerke
Der Mentee lernt weitere Ratgeber über neue Netzwerke kennen und erhält Tipps. Er baut seine kollegialen Kontakte aus und erhält wichtige informelle Informationen
6. Unterstützung
Umgang mit komplexen Problemen am Vorbild des Mentors
Unterstützung bei der Entwicklung neuer Ideen und Verhaltensweisen
Gezielte Vermittlung von Kontakten
7. Anleitung
Hilfe beim Entwickeln und Formulieren von kurz- bis langfristigen Karrierezielen beim gemeinsamen Erarbeiten von Teilschritten hierzu und beim Überdenken von Entscheidungen
Stärkung von Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung
8. Beratung
Weitergabe von Insiderwissen
Kritisch-konstruktives Feedback zu selbständig erarbeiteten Lösungsansätzen: Dem Mentee helfen, Strategien zur Erreichung der Arbeitsziele zu entwickeln, ohne jedoch sofort eigene Lösungswege zu präsentieren
Urologie-Fahrplan- das Programm
Junge engagierte Nachwuchsärzte im Fachbereich Urologie sollen einen Fahrplan für ihre weitere persönliche und berufliche Karriere bekommen. Wie dieser Fahrplan zu lesen ist und welche Stationen der Einzelne auf seinem Weg gehen kann gilt es im Rahmen der gemeinsamen Arbeit herauszufinden.
Das Programm Urologie-Fahrplan wurde erstmals im November 2006 als Gruppenmentoring aufgelegt. Über 18 Monate wurden 30 Mentees von 10 Mentoren betreut. Aufgrund der überwiegend positiven Resonanz hat der steuernde Koordinierungs-kreis entschieden eine Fortsetzung des Urologie-Fahrplans durchzuführen. Derzeit befindet sich der Koordinierungskreis des Programms bereits in den Vorbereitungen zur dritten Staffel.
Beim Gruppen-Mentoring kooperiert ein Mentor mit einer Kleingruppe von Mentees. Die Vorteile des Gruppen-Mentorings liegen im strukturellen und strategischen Bereich sowie in der Möglichkeit, dass hochwertige Mentorenkompetenzen nicht nur einem Mentee sondern einer Mentee-Gruppe zur Verfügung gestellt werden. Den organisatorischen Rahmen für die Gestaltung des Austausches bildet die Mentee-Gruppe. Dies organisiert selbstverantwortlich Gruppendynamische Prozesse, voneinander Lernen, Einbeziehung von Fachberatung oder Weiterbildung sind damit Teil des Gruppenmentoring und im Sinne des beschleunigten Lernens gewünscht. Die Erfahrungen aus den ersten beiden Staffel haben gezeigt, dass es darüber hinaus in Einzelfällen sinnvoll erscheint neben einem Gruppenmentoring je nach Neigung des Mentors und der Mentees auch ein Einzelmentoring zuzulassen. Es wird in der vierten Staffel des Programmes beide Formen gleichberechtigt nebeneinander geben.
Wichtige Voraussetzung um das Gelingen der Prozesse zu fördern ist die Steuerung durch den Mentoring-Koordinierungskreis
Unterstützt wird das Programm durch
- drei zu erarbeitende Module
Modul I – Potentiale und Fähigkeiten
Modul II – Ziel-, Zeit- und Selbstmanagement
Modul III – Krisen- und Konfliktbewältigung
- Fortbildungseinheiten zu den Themen:
Kommunikation
Zeitmanagement und Selbstorganisation
Rhetorik und Selbstpräsentation.
Bei dem vierten Durchlauf des Programms finden während des Zeitraumes von 12 Monaten zwei offizielle Veranstaltungen statt (Auftakt-, und Abschlussveranstaltung).
Jeder Teilnehmer erhält eine Arbeitsmappe mit darin enthaltenem Arbeitshandbuch. Die Mappe wird während des Programms kontinuierlich aufgefüllt. Die Basis des ge-samten Programms ist die Eigeninitiative der Mentees. Diese ist der Schlüssel zum persönlichen Erfolg des Einzelnen. So müssen regelmäßige Treffen per Telefon- / E-mail- oder persönlichen Kontakt organisiert werden. Hierzu gehört neben der Vor- und Nachbereitung der Gespräche ebenso das Führen eines Protokolls.
Die Strukturierung der Treffen obliegt dem Mentor, während der Mentee für den Inhalt der Fragen und die Nutzung der ihm gebotenen Chancen verantwortlich ist
Vorteile für den Mentee
Mentee hat die Möglichkeit von den beruflichen und persönlichen Erfahrungen des Mentors und der anderen Mentees zu lernen und von deren Kontakten zu profitieren.
Im Mentoring erlebt der Mentee Informationsgewinn und Perspektivenwechsel durch den Austausch mit dem Mentor und den anderen Mentees sowie Einblicke in neue Netzwerke, die institutionsübergreifende Kontakte ermöglichen können.
Eine besondere Funktion von Mentoring ist das Vermitteln von (informellen) Informationen, die nicht unbedingt nachlesbar, aber dennoch wesentlich für die berufliche und persönliche Entwicklung sind.
Stärkung des Selbstbewusstseins, weil sich eine renommierte Persönlichkeit seiner Belange annimmt
Besseres Erkennen, gezielteres Einsetzen und offensiveres Darstellen der eigenen Kompetenzen
Ermutigung sich berufliche und persönliche Ziele zu setzen und diese konsequent zu verfolgen
Erweiterung des eigenen (urologischen) Horizonts
Einblick in die Anforderungen an eine Führungsperson
Karriere - Unterstützung
Erlernen von Handwerkszeug, das zum Erreichen eines gesteckten Ziels notwendig ist
Verbesserung der Arbeitszufriedenheit durch Bewusstmachen des Ziels und des Weges dorthin
Vorteile für den Mentor
Auch der Mentor profitiert von seinem Engagement:
Erfahrungen und eigene Werte weiterzugeben macht Sinn und auch Freude. Der Erfahrungsaustausch geht nicht nur in eine Richtung. So kann auch der Mentor von den Erfahrungen der Mentees profitieren.
In der Funktion des Beratenden hat der Mentor Gelegenheit sein Verhalten und seinen Arbeits- und Führungsstil zu reflektieren und zu erweitern.
Der Mentor eröffnet dem Mentee Kontaktmöglichkeiten, aus dem Geben wird sich aber auch ein Bekommen entwickeln. So kann der Mentor selbst wertvolle Kontakte zur Vernetzung knüpfen.
Erfahrungszuwachs durch hierarchiearme Kommunikation
persönlicher Profit durch neue Anregungen und Perspektiven
Bewusstwerden der Probleme des urologischen Nachwuchses – Nähe zur Basis
Beteiligung einer Fachabteilung an einem qualifizierten Ausbildungsprogramm – Imagegewinn für die Abteilung
Positiver Ruf als engagierter Mentor
Vorteile für den direkten Vorgesetzten
Der direkte Vorgesetzte des Mentee kann durch die vom Mentee erworbenen neuen Fähigkeiten und Qualifikationen profitieren.
Der berufliche Erfolg des Mentees kann sich für den Vorgesetzten positiv auswirken, da er mit dem Erfolg seines Mitarbeiters unweigerlich in Verbindung gebracht werden wird.
Erhöhung der Arbeitsmotivation des Mentee, da das Programm neue Einblicke in die generellen Arbeitsstrukturen ermöglicht.
Durch den Kontakt zum Mentor bringt der Mentee auch für die Arbeitssituation seines Vorgesetzten mehr Verständnis auf, was zu einer Verbesserung der Beziehung erheblich beiträgt
Beteiligung seiner Abteilung an einem qualifizierten Ausbildungsprogramm–Reputation
Urologie-Fahrplan- Eine Initiative zur Nachwuchsförderung von GeSRU, Farco-Pharma, Fresenius Kabi
GeSRU Mentoring-Programm Förderung des urologischen Nachwuchses am Beispiel „Urologie-Fahrplan“
Eine qualifizierte Ausbildung des urologischen Nachwuchses heute ist das Funda-ment der Urologie von morgen. Die fachliche Ausbildung des urologischen Nachwuchses ist heute durch eine systematische, modulare Ausbildung zum Facharzt (verpflichtendes Logbuch), Kongressteilnahmen, Fortbildungsveranstaltungen, Seminare, Workshops und Hospitationen sowie das eigene Literaturstudium gewährleistet.